Exkursionsberichte von der Nutztierpraxis und Puten- und Schweinemast Engels/Spielhoff in Bönen

Exkursionsbericht von Lara Rodday

Am vergangenen Donnerstag, den 03.08.17 war es einigen Studierenden der Universität Duisburg-Essen möglich, einen Gutshof in Bönen zu besichtigen. Die Exkursion fand im Rahmen des Kurses „Keime, Schweine & ich. Hygieneprobleme im Spannungsfeld zwischen Medizin und Gesellschaft“ statt. Die Kursteilnehmer erhielten unter der Leitung von Prof. Dr. Ingensiep die einmalige Gelegenheit, den Gutshof inkl. Führung zu besichtigen.

Gegen 11:30 Uhr wurden alle Studierenden von Frau Dr. Engels, ihrem Mann und den gemeinsamen Kindern begrüßt. Der von Frau Dr. Engels geführte Hof fusionierte vor etwa 3 Jahren mit dem Betrieb ihres Mannes, welcher 20km entfernt liegt. Dieser ist jedoch nicht wie ihr Betrieb auf Tierhaltung, sondern auf Landwirtschaft spezialisiert.

Das eigene Wohnhaus stellte die erste Station des Rundganges dar. Nachdem alle Toilettengänge, Telefonate, o.Ä. beendet waren, versammelten sich alle in der geräumigen Küche, um den von Frau Dr. Engels und ihrem Mann vorgestellten Informationen Aufmerksamkeit zu schenken. Netterweise wurde sogar ein Handout vorbereitet, welches die Informationsaufnahme erleichterte.

Zunächst wurden zentrale Informationen über Zahlen und Fakten vorgestellt, wie auch die verschiedenen Zertifizierungen. Insbesondere die anerkannte Zertifizierung nach QS. Diese steht für geprüfte Qualitätssicherung. Regelmäßige Kontrollen der Qualität der Lebensmittel sind obligatorisch. Alle drei Jahre unterzieht sich das Unternehmen einer vollständigen Überprüfung, d.h. Futtermittel- und Wasserverfügbarkeit für die Tiere, Desinfektionsgabe, Flächenkontrolle, Schutzkleidung, Medikamente, u.v.m. werden von einem externen Inspekteur analysiert und dokumentiert. Sollte es bei einer der Kategorien zu Abweichungen der Standards kommen, so ist das Unternehmen dazu angehalten, diese unverzüglich zu beseitigen, anderenfalls wird die Zertifizierung entzogen.

Für Lebensmittelhersteller ist dieses Siegel ein wichtiges Statussymbol, denn dadurch erhält der Verbraucher Gewissheit über eine angemessene Haltung der Tiere sowie Verarbeitung der Produkte.

Als kleine Stärkung für die folgenden Stationen wurden selbst dekorierte Putenburger sowie Getränke angeboten. Im weiteren Verlauf wurden die Studierenden durch zwei Apotheken geführt, in welchen etliche Medikamente zur Vergabe an die Tiere lagen. Beim Stopp in der Sektion wurde erläutert, wie z.B. Schweine zur genaueren Untersuchung mit der an der Wand hängenden Säge aufgeschnitten werden.

Auffällig war, dass vor jeder Räumlichkeit auf dem Hof eine Matte lag, die schäumte, sobald man auf sie trat. Ein Angestellter erklärte, dass diese zur Desinfektion von Schuhen fungieren und ganzjährig verwendet werden.

Bevor es zum aufregendsten Teil, nämlich der Besichtigung der beiden Putenställe ging, musste sich jeder aufgrund der Hygienesicherheit einen vollständigen Schutzanzug anziehen. Dieser verdeckt bis auf das Gesicht alle Haut- und Körperteile. Puten sind sehr neugierige Tiere, daher strömten sie beim Betreten auf Frau Dr. Engels und die anderen zu. Rund um die Uhr werden die 12 000 Puten mit Nahrung und Wasser versorgt, damit sie für den Zeitpunkt der Schlachtung, welcher nach etwa 20 Wochen ist, genug Gewicht aufgebaut haben. Die 12 000 Puten sind auf die beiden Ställe verteilt, im ersten waren die Puten nur etwa halb so groß wie im zweiten Stall. Das lag daran, dass die Puten aus dem zweiten Stall nur 5 Tage vor der Schlachtung standen, dementsprechend weniger Platz war auch im Stall vorhanden.  Für verwundete oder schwache Tiere gibt es in jedem Stall eine sog. Ruhezone. Demonstriert wurde die Schutzmaßnahme von Frau Dr. Engels Sohn, welcher eine am Hals verletzte Pute quer durch den Stall in die Ruhezone trug und sie dort wieder absetzte. Regelmäßige Besichtigungen der Ställe sollen vorbeugen, dass Verwundete noch weiter kränkeln und von anderen Tieren zertreten werden.

Abschließend wurde eine Besichtigung der Schweineställe angeboten. Etwa 20 Schweine pro Stall grunzten dort bei ständiger Nahrungs- und Wasseraufnahme vor sich hin. Bei Schlachtung sollen diese ein Gewicht von min. 120 kg erreichen, daher ist die Möglichkeit zur permanenten Nahrungsaufnahme elementar.

In einer etwas geschrumpften Abschlussrunde verabschiedeten sich Prof. Dr. Ingensiep und die Studierenden nach einem sehr informativen Tag auf dem Hof von Frau Dr. Engels und ihrer Familie.

EngelsSpielhoff
Die Putenmast der Familie Engels-Spielhoff in Bönen.

Exkursionsbericht von Denise Haße

Am 03.08.2017 startete die Exkursion des Kurses „Keime, Schweine und Ich (Hygieneprobleme im Spannungsfeld zwischen Medizin und Gesellschaft)“ zum Gutshof für Geflügel- und Schweinezucht nach Bönen.

Ohne irgendwelche Erwartungen meinerseits fiel mir bei Ankunft gegen 11:00 Uhr zunächst der gut gepflegte Hof auf; eine große Einfahrt, weitläufige helle Kieselsteinwege, ein schöner Teich, mehrere Häuser und große Ställe. Dass hier also eine Massentierhaltung geführt wird, konnte ich mir zu diesem Zeitpunkt noch nicht vorstellen. Mein erster Eindruck war sehr positiv und nicht so wie die vorerst negative Haltung gegenüber Massentierhaltung, wie sie aus dem Fernsehen oder Werbespots bekannt ist.

Aufgrund des starken Windes wurde die Vorstellung des Betriebes in das Haus der Familie Engels Spielhoff verlegt und wir wurden freundlich von Frau Dr. Parohl in das Haus gebeten. Bei Betreten des Hauses der Familie des Gutshofes konnte direkt die familiäre, freundliche Atmosphäre gespürt werden. Ein offenes Haus mit vielen großen Fensterfronten, die moderne Küche und wiederum die alten aufgewerteten Möbel verdeutlichten den Wohlstand der Familie. “Friede den Kommenden, Freude den Bleibenden, Segen den Scheidenden“ ließ sich an einem Hausschild finden und traf meiner Meinung nach genau die Lebensweisheit der Familie. Aber auch allgemein zeigte die Atmosphäre des Hauses, dass sich womöglich durch die Landwirtschaft und Massentierhaltung nicht gerade wenig Geld verdienen lässt.

Nachdem alle Teilnehmer Platz gefunden hatten, stellte sich Familie Engels-Spielhoff vor. Frau Dr. vet. Engels sprach kurz über sich, stellte ihren Mann Herrn Spielhoff sowie ihre beiden Kinder Leonard (Grundschuldkind) und Viktoria (Kindergartenkind) vor. Besonders auffällig war ihre gut gewählte Kleidung. Es machte den Anschein, sie hätten sich extra für uns schick für die Führung gemacht, indem die Männer ein Hemd trugen und die beiden Damen einen Blazer. Ein Hof und gute Kleidung passte für mich im ersten Augenblick nicht zusammen, da ich die Massentierhaltung eher mit Dreck und schlechten Geruch verbunden habe. Erwartet habe ich daher eher einen Kleidungsstil ,der von Kleidungsstücken geprägt ist, die dreckig werden können.

Daraufhin haben alle Teilnehmer einen ersten theoretischen Einblick über den Hof erhalten. Der ausgeteilte , welcher nicht an die Öffentlichkeit geraten sollte, wurde lang und ausgiebig durchgesprochen. Meiner Meinung nach war es besonders bemerkenswert, dass Frau Dr. vet. Engels sich nicht nur um ihre Familie und den Hof kümmert, sondern auch eine eigene Tierarztpraxis auf dem Hof leitet. Auch ihr Mann, Herr Spielhoff, ist für eine weitere Betriebsstätte in Bergkamen tätig. Es lässt sich erahnen, dass diese ganzen verschiedenen Betriebsstandbeine, die Tierhaltung, die Tierarztpraxis und das Bewirtschaften der Äcker eine enorme Arbeit sind in der meiner Meinung nach das Zeitmanagement eine elementare Rolle spielt, um alles effektiv zu bewirtschaften.

Schließlich kam auch Herr Spielhoff zur Sprache und berichtete über das Verfahren auf dem Acker. Besonders interessant fand ich, dass beim Anbau von Weizen verschiedene Fruchtfolgen eingehalten werden müssen. Ein Ablauf ist beispielsweise Weizen, Gerste, Mais und wieder Weizen. Schließlich gab Herr Spielhoff noch einige interessante Fakten zur Biogasanlage bekannt. Dass die Gülle durch die Biogasanlage geführt wird und die Reste auf dem Acker verteilt werden, um unter anderem den extrem unangenehmen Geruch der Gülle zu umgehen, war mir bisher noch gar nicht so bewusst. Des Weiteren erklärte er, dass die derzeit herrschende Diskussion über Nitrat im Grundwasser in den Medien völlig falsch diskutiert werde. Seiner Meinung nach ist nicht die Hauptursache das Überdüngen der Felder mit der Gülle aus der Massentierhaltung. Er verwies auf die Abgase, die auch in Großstädten entstehen. Sein Argument, dass die Gülle nur dann verteilt wird, wenn der Boden die Nährstoffe auch aufnimmt, klang für mich sehr überzeugend und zeigte mir erneut, dass die Medien oft nur einen Schuldigen für solche Schlagzeilen suchen.

Schön, dass wir nun auch eine andere Perspektive erhalten haben.

Zuletzt wurde noch über die auf dem Hof zur Verfügung stehenden Maschinen gesprochen, womit ich leider wenig anfangen konnte. Der Begriff Mähdrescher lässt sich noch einordnen, aber unter eine Kreiselegge mit Drillmaschine ließ sich für mich als Laie nichts vorstellen.

Nachdem sich dieser Vortrag ziemlich langgezogen hat, konnten wir uns mit kleinen Snacks und Getränken stärken. Diese nette Geste verdeutlichte erneut die Freundlichkeit und Offenheit der Familie.

Die erste Station des Exkurses war daraufhin die Tierarztpraxis. Ziemlich eng standen die rund 25 Teilnehmer im Flur und Büro verteilt und hörten interessiert Frau Engels zu. Um einen praktischen Einblick in ihre Arbeit als Tierärztin zu bekommen, wurden einige laminierte Protokolle herumgegeben. Dass so viel detailliert protokolliert werden muss, war mir gar nicht bewusst. Dennoch konnte ich mit den herumgegebenen Protokollen eher wenig anfangen.

Schließlich wurden wir in die erste und zweite Apotheke geführt. Eine Menge an Kartons mit Antibiotika standen dort zur Verfügung. Meine Gedanken, ob so viel verschiedene Antibiotika für das Tier gut sind, ließ sich jedoch für mich persönlich nicht beantworten. Erneut kam mir die Position der Medien in den Sinn, dass das Fleisch aus der Massentierhaltung mit Antibiotika befallen ist und sich dadurch Resistenzen bei den Menschen entwickeln. Überzeugt, dass sich die Antibiotika nicht negativ auf den Menschen auswirken, bin ich leider nicht.

Eine weitere Station war draußen aufgebaut. Gut vorbereitet wurde den Teilnehmern erklärt, wie die Tiere geimpft und wie die Ställe desinfiziert werden. Auch der Anhänger zur Möglichkeit der Impfung, mit dem die Tierärztin von Ort zu Ort fährt, war von besonderem Interesse. Erst hier wurde mir bewusst, dass womöglich die Hygiene in der Tiermedizin deutlich fortgeschrittener ist als in der Humanmedizin. Dies ist nicht gerade von Vorteil und hier stellt sich die Frage, ob sich in der Zukunft nicht in ähnlicher Weise eine Verbesserung der Hygiene im Krankenhaus realisieren .

Mit diesen Gedanken ging es nun endlich zu dem ersten Stall mit den Puten, die sechs Wochen alt waren. Nachdem die Teilnehmer die Schutzkleidung (Haube, Overall, Handschuhe sowie Überzieher für die Schuhe) angezogen hatten, ging es über die – vor jeder Tür liegenden – Desinfektionsmatte in den Stall. Der Geruch war gar nicht so schlimm wie befürchtet. Mit dem ersten Schritt in den Stall liefen uns die neugieren Puten entgegen. Platz war meiner Meinung nach genug für die Tiere. Es war alles ziemlich gut verteilt und ich kann daher mit ruhigen Gewissen sagen, dass die Tiere zumindest bis zur sechsten Woche genug Freiraum hatten. Interessant war besonders in diesem Stall die ganze Technik, die hinter dieser Haltung der Puten steckt. Die Fütterung und Tränkung laufen allesamt automatisch ab, lediglich eine Kontrolle durch den Menschen ist nötig.

Nachdem eine ziemlich lange Zeit in dem Stall verbracht wurde, erfolgte noch eine Besichtigung des Putenstalls mit den Tieren, die 20 Wochen alt waren und kurz vor der Schlachtung stehen. Der Blick durch das Fenster in den Stall versetzte mich das erstmal in eine negative Stimmung. „Wie schrecklich, dass diese großen Tiere von ca. 22 Kilo nun die letzte Woche ihres Lebens einfach nur eingequetscht stehen“, waren meine Gedanken. Ein Leben ist das nicht, aber andererseits kennen die Tiere auch keine andere Existenz. Von den Gedanken hin und hergerissen, konnte ich mir keine Meinung bilden, ob ich das nun wirklich unterstütze oder doch eher als Tierquälerei sehe. Die ökonomische Sicht spricht garantiert nur die positiven Aspekte der Massentierhaltung an. Aber aus der Sicht des Tieres ist es traurig, dass die Menschen nach so einem Fleischkonsum mit niedrigen Preisen streben.

Zuletzt wurde die letzte Station im Schweinestall angepeilt. Auch hier erhielten die Teilnehmer einen kurzen Einblick in das Leben eines Schweines.

Mein Fazit und Rückblick der Exkursion ist durchaus positiv. Ich bin froh, dass die Familie so hinter ihrer Art der Massentierhaltung steht und alle nötigen Prozesse zur ordnungsgemäßen Haltung und Führung des Geflügel- und Schweinehofes beachten und einhalten. Es stellt sich trotz des positiven Eindrucks die Frage, ob die Familie durch ihre offene, familiäre Weise versuchte, eine Art Scheinwelt nach außen zu tragen. Der perfekt gepflegte Hof war ein Teil dieser möglichen Scheinwelt genauso wie die Behauptung, dass das Wohl des Tieres durchaus im Vordergrund stehe.

Zuletzt lässt sich für mich feststellen, dass ich dennoch nicht abgeneigt bin, weiterhin Fleisch zu konsumieren. Ich werde für mich in Zukunft dennoch besser auf die Herkunft und auf den Preis des Fleisches achten und es bewusster genießen.

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